Sankt Marcus Ev. Lutherische Gemeinde
Watertown, Wisconsin
Predigt: Lucas 2:8-14
Pastor Karl Walther
24 Dezember 1996
Es
ist erfuellet, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht:
"Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein, und einen Sohn gebaeren, und
sie werden seinen Namen Emanuel heiszen"-- das is verdolmetschet, Gott mit
uns. Amen.
Das
Wort Gottes fuer diese Weihnachtspredigt ist die Geschichte von der Geburt Jesu
Christi, welche in dem Evangelio Sankt Lukas, Capitel zwei, die Versen acht bis
vierzehn geschrieben steht:
Und
es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Huerden, die hueteten
des Nachts ihrer Heerde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit
des Herrn leuchtete um sie, und sie fuerchteten sich sehr.
Un
der Engel sprach zu ihnen: "Fuerchtet euch nicht! Siehe, ich verkuendige
euch grosze Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der
Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das
habt zum Zeichen-- ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, und in
einer Krippe liegend."
Und
alsobald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerschaaren, die
lobten Gott, und sprachen: "Ehre sei Gott in der Hoehe, und Friede auf
Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen."
Diese
ist die gute Nachricht von der Geburt unsers Herrn.
Liebe
Mitchristen, die das Weihnachtsfest feiern:
In
der ganzen Welt, wenigstens in der ganzen Westwelt, ist das Weihnachtsfest ein
bedeutendster Feiertag.
Oekonomischer
geredet, gibt das Weihnachtsfest den Geschaeftsmaennern ihre groeszten
Vorteile. Denn wer von uns hat in den letzten Wochen Weihnachtsgeschenke nicht
gekauft?
Persoenlicher
geredet, gibt uns das Weihnachtsfest etliche von unseren groeszten irdischen
Freuden. Wer von uns denkt nicht mit Freude an die Weihnachtsfeier seiner
Jugend?
Aber
geistlich geredet, ist das Weihnachtsfest noch wichtiger. Tatsaechlich
verkuendigt die Weihnachtsgeschichte -- der Welt, gleichwie jedem Christ -- den
ganzen christlichen Glauben.
Dies
ist wahr; denn unser heutiges Wort Gottes verkuendigt uns diese Botschaft:
"Euch ist heute der Heiland geboren!" Weiter werden wir verstehen:
"Obwohl wir sonst seine Heiligkeit fuerchten mueszten, ...haben uns die
Engeln Freude in dem Christkind verkuendigt, ...und haben uns die Engeln unsere
Friede in dem Christkind verkuendigt."
Sankt
Lukas beginnt seine Weihnachtsgeschichte mit den Worten: Es begab sich aber
zu der Zeit..... Es begab sich vor zwei tausend Jahre. Auch begab sich es
in dem Lande Israels, in der kleinen Stadt Bethlehems, fuenf Meilen suedlich
von der Hauptstadt Jerusalems, die vielleicht einige hunderte Einwoehner
hatte,.
Da
waren Joseph und Maria gekommen, an der Schaetzung vom Kaiser Augustus
teilzunehmen. Und da lesen wir: Als sie daselbst waren, kam die Zeit, dasz
Maria gebaeren sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn-- und in
Wirklichkeit war dieser der erste Sohn Marias, auch der einzige Sohn Gottes,
aber nicht der Sohn Josephs: Maria war eine reine Jungfrau, als sie das
Christkindlein gebar. Und: Sie wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in
eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
Und
es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Huerden, die hueteten
des Nachts ihrer Heerde. Diese waren Hirten, gleichwie Abel und Abraham
und Isaac und Jakob und seine Soehne und Mose und David gewesen waren-- und wie
das Christkind selbst sein wuerde, als der guter Hirt. Diese Hirten waren auf
dem Felde bei den Huerden-- ihre Schafe und vielleicht auch Ziegen. Und sie
hueteten des Nachts ihrer Heerde; wahrscheinlich hatten einige Hirten ein Feuer
entzuendet und umringt. Und zu dieser Stunde waren keine andere Leute wachende.
Da
lesen wir: Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des
Herrn leuchtete um sie, und sie fuerchteten sich sehr. Dieser war also
ein heiliger Engel. Und mit ihm kam auch die Klarheit des Herrn: buchstaeblich
die Herrlichkeit des Herrn, die Ganzheit von seinen Kennzeichen-- besonders
seine gewaltige Liebe, aber seine gewaltige Heiligkeit auch. Und die Hirten
fuerchteten sich sehr: buchstaeblich fuerchteten sie eine grosze Furcht.
Meine
Freunde, wir sollen dasselbe tun. Jawohl! Die Offenbarung der Heiligkeit Gottes
soll uns zu fuerchten treiben-- gleichwie sie die Hirten mit Furcht erfuellte.
Erinnert
euch daran, dasz wir Suender sind. Taeglich fehlen wir diese daran: Liebe,
Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Guetigkeit, Glaube, Sanftmuth, und
Keuschheit-- obwohl Gott genau diesselbe erfordert.
Und
dieser ist der Gott, der da befehlt: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin
heilig, der Herr euer Gott. Dieser ist der Gott, der da befehlt: Darum
sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist.
Also:
der Heiligkeit Gottes wegen, sollen wir auch fuerchten-- gleichwie die Hirten
fuerchteten. In Wirklichkeit sollen wir besonders das Feuer der Hoelle
fuerchten.
Dennoch,
was lesen wir im naechsten Vers? Der Engel sprach zu ihnen-- zu
den Hirten: "Fuerchtet euch nicht!"
Umringt
von solcher Heiligkeit, wie konnte der Engel so etwas zu solchen suendhaften
Menschen sagen? Hier ist die Antwort. Der Engel erklaert: "Siehe,
ich verkuendige euch grosze Freude, die allem Volk widerfahren wird."
Also muszte eine Aufloesung fuer die Unheiligkeit der Hirten, eine Aufloesung
fuer ihre Suenden, worden sein.
Eben
das ist es, was diese Botschaft des Engels verkuendigt: "Denn euch
ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt
Davids." Mit anderen Worten: "Ein Heiland ist geboren, der
eure Unheiligkeit und alle eure Suenden aufloesen wird. Er ist der Christus:
der gesalbte Prophet, der die Fuelle der Liebe Gottes in fleischlicher Gestalt
offenbar machen wird. Er ist der gesalbte Priester, der sich selbst fuer die
Suende aller Suender opfern wird. Er ist der gesalbter Koenig, der als Hirt
seine Schafe retten und auch fuehren wird. Der Herr selbst ist geboren, der
allein den Teufel niederschlagen kann und wird. Er ist der verheiszene Sohn
Davids, der in der Stadt Davids geboren ist."
Weiter:
"Das habt zum Zeichen-- ihr werdet finden das Kind in Windeln
gewickelt, und in einer Krippe liegend." Um Zeichen zu sein,
muszten diese Dinge ungewoehnliche gewesen sein. Zwar war das wahr! Der reiche
Besitzer von allen hatte nun keine rechten Kleider, die Welt mit den Kleidern
seiner Gerechtigkeit zu kleiden. Der Haupteinwohner des Himmels machte nun sein
Bett in einem Viehfuetterndentrog, die Welt mit dem Lebensbrot zu naehren.
Und
meine Freunde: dies alles ist gute Nachricht unseretwegen. Unser Heiland Jesus
Christus ist geboren, auch unsere Furcht wegzunehmen.
Erinnert
euch daran, dasz wir Suender sind. Taeglich fehlen wir daran, jeder gutes Werk zu
tun, jede gute Geisteshaltung zu zeigen.
Darum
hat uns Gott in seinem Sohn, Jesu Christo, seine Heiligkeit gegeben. Die
heilige Schrift sagt: Es ist hier kein Unterschied; wir sind allzumal
Suender und mangeln des Ruhms, den wir an Gott haben sollten; und wir werden
ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade, durch die Erloesung, so durch Christum
Jesum geschehen ist. Wieder: Gott hat uns in Christo seine Gerechtigkeit
gegeben. Die heilige Schrift sagt: Gott hat Jesum, der von keiner Suende
wuszte, fuer uns zur Suende gemacht, auf dasz wir wuerden in ihm die
Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.
Der
Gerechtigkeit Gottes wegen, die Gott uns in Jesu gegeben hat, wollen wir uns
auch freuen-- gleichwie die Hirten sich freueten. Und durch Jesum Christum
erwarten wir eine noch groeszere Freude im Himmelreich.
Zuletzt
lesen wir: Alsobald war da bei dem ersten Engel,
den die Hirten gesehen hatten, die Menge der himmlischen Heerschaaren,
die lobten Gott. Nun bedenket, dasz millionen von diesen Geistdienern
Gottes existieren. Und immer loben sie Gott. Aber dieses Ereignis -- die Geburt
seines Sohnes -- ist so wichtig, dasz Gott hier es Menschen gestattete, diesen
Engellob zu hoeren und zu sehen.
Und
schlieszlich: Sie sprachen: erstens: "Ehre sei Gott in
der Hoehe"-- seiner unaussprechlichen Liebe wegen, und auch:
"Friede auf Erden," das ist: "den Menschen ein
Wohlgefallen"-- weil die unassprechliche Liebe Gottes ihnen in dem
Christkindlein geschenkt worden ist.
Und
meine Freunde: wieder ist diese selige Nachricht unseretwegen. Unser Heiland
Jesus Christus ist geboren, unseren Frieden zu beschaffen.
Erstens
ist Christus geboren, Frieden zwischen uns und Gott zu schaffen. Nun fuehren
unsere Suenden keinen Krieg gegen Gott: weil Christus geboren ist, fuer unsere
Suenden zu bezahlen.
Zweitens
ist Christus geboren, Frieden in unserem Gewissen zu stellen. Nun koennen
unsere Suenden uns nicht laenger spuken: weil Christus geboren ist, unsere
Suenden wegzunehmen.
Drittens
ist Christus geboren, Frieden zwischen Menschen zu stellen. Nur in Christo
koennen Mann und Weib solche Liebe finden, einander zu vergeben und zu
schaetzen. Nur in Christo koennen Eltern und Kinder solche Liebe finden,
einander zu vergeben und zu hilfen. Nur in Christo koennen Nachbarn solche
Liebe finden, einander zu vergeben und mit einander in Harmonie zu leben.
Der
Friede Gottes wegen, die Gott uns in Jesu gegeben hat, wollen wir auch unsere
Herzen in Friede stellen-- gleichwie die Hirten ihre Herzen in Friede stellten.
Und wir erwarten auch die groeszere Friede des Himmelreiches.
Also
mueszen wir sagen, als wir mit Glaubensherzen auf die Geburt Christi schauen:
"Uns ist auch der Heiland heute geboren! ...Obwohl wir sonst seine
Heiligkeit fuerchten mueszten, ...haben uns die Engeln unsere Freude in dem
Christkind verkuendigt, ...und haben uns die Engeln unsere Friede in dem
Christkind verkuendigt."
Also
reagieren wir auf die Weihnachtsbotschaft wie Maria: die alle diese Worte
behielte und sie in ihrem Herzen bewegte. Und wir reagieren wie die Hirten:
die wieder umkehrten und um Alles das sie gehoeret und gesehen hatten Gott
priesen und lobten. Tatsaechlich gibt das uns nicht nur die rechte
Geisteshaltung fuer Weihnachtsfest, sondern auch die rechte Geisteshaltung fuer
Leben und fuer Ewigkeit. Amen.
Also
hat Gott die Welt geliebet, dasz er seinen eingebornen Sohn gab, auf dasz Alle,
die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
Amen.