Sankt Marcus Ev. Lutherische Gemeinde

Watertown, Wisconsin

Predigt: Johannes 19:17-24

Pastor Karl Walther

13 April 2001

 

 

            Er ist um unserer Missethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen.  Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet.  Amen.

            Unseren Text finden wir aufgezeichnet in dem Evangelio Sankt Johannis, Capitel neunzehn, die Versen siebzehn bis vierundzwanzig:

            Und er trug sein Kreuz, und ging hinaus zur Stätte , die da heißt Schädelstätte, welche heißt auf Ebräisch Golgotha.  Allda kreuzigten sie ihn, und mit ihm zwei Andere zu beiden Seiten, Jesum aber mitten inne. 

            Pilatus aber schrieb eine Ueberschrift, und setzte sie auf das Kreuz; und war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König.  Diese Ueberschrift lasen viele Juden; denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuziget ist.  Und es war geschrieben auf ebräische, griechische und lateinische Sprache. -- Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: Schreibe nicht: Der Juden König; sondern, daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König. -- Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. 

            Die Kriegsknechte aber, da sie Jesum gekreuziget hatten, nahmen sie seine Kleider, und machten vier Theile, einem jeglichen Kriegsknecht ein Theil, dazu auch den Rock.  Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewirket durch und durch. -- Da sprachen sie unter einander: Laßt uns den nicht zertheilen, sondern darum loosen, weß er sein soll; auf daß erfüllet würde die Schrift, die da sagt: Sie haben meine Kleider unter sich getheilet, und haben über meinen Rock das Loos geworfen. -- Solches thaten die Kriegsknechte.

            Dies' ist die gute Nachricht von Gottes Wort.

            Liebe Mitgläubiger an unserem gekreuzigten Heilande, Jesu Christo:

            Ohne Zweifel ist das Kreuz das wohlbekannteste Sinnbild des Christentums.  Kreuze hangen auf den Mauern vieler christlichen Wohnungen.  In jeder christlichen Kirche sieht man das Kreuz-- und wahrscheinlich viele Kreuze. 

            An der Wand meines Hauses gibt es ein großes, hölzernes Kreuz—ein Geschenk von einigen Freunden.  Auf der Spitze unseres Kirchturms steht ein noch größeres, stählerne Kreuz; oft scheint es mir in die Augen, als ich zu der Offiz an einem sonnigen Morgen komme.  Und augenscheinlich ist hier das Kreuz Christi in der Vorderseite der Kirche. 

            Heute wollen wir auf Grunde dieses Wortes von Gott dieser wohlbekanntestes Sinnbild des Christentums beachten.  Die heutige Predigt betont: "Laßt uns heute Christum am Kreuze ansehen."  Wir sollen beachten: daß "auf der Spitze des Kreuzes, Jesus seine Unschuldigkeit für uns verlor", und "zum Fuße des Kreuzes, Jesus seine Ehrenstelle für uns verlor."  Also hat unser lieber Heiland auf dem Kreuze selbst unser Heil gewonnen. 

            Es geschah um neun Uhr Morgens am ersten Karfreitag-- vielleicht dem siebenten Tage Aprils im Jahr unsers Herrn dreißig: vor neunzehnhundert einundsiebzehn Jahren.  Unser verwundeter Heiland ging zu Fuße zum Norden einige Blocke vom Gerichtshof. 

            Sankt Johannis, ein Augenzeuge, berichtet: er trug sein Kreuz--vielleicht das heftige Querholz--und ging hinaus--außerhalb der kleinen, überfüllten Stadt--zur Stätte-- zu einem Hügellein--die da heißt Schädelstätte, welche heißt auf Ebräisch Golgotha. 

            Allda kreuzigten sie ihn.  Das Kreuz lag auf dem Boden.  Schmerzlich trieben sie die lange, schwere Nägel durch des Heilandes Hände und Füße.  Da huben die Soldaten das Kreuz auf, und ließen es in ein Loch in der Erde fallen.  “Sie kreuzigten ihn.”  Und mit ihm kreuzigten sie zwei Andere -- Übeltäter, Räuber, Mörder -- zu beiden Seiten, Jesum aber mitten inne.  Der heilige Sohn Gottes, Gott von aller Ewigkeit, hing mitten unter zwei Übeltätern

            Pilatus aber schrieb eine Ueberschrift, und setzte sie auf das Kreuz.  Auf diese Weise machte gewöhnlich der Richter die Übeltat des Gekreuzigten bekannt.  Wenn der Gekreuzigter geraubt hätte, so würde der Richter auf seinem Überschrift schreiben: "Dieser hat geraubt"-- und jeglicher Augenzeuge würde zu sich selbst denken: "So will ich sicherlich nicht rauben!"  Wenn der Übeltäter gemordet hätte, so würde der Richter auf seinem Überschrift schreiben: "Dieser hat gemordet"-- und jeglicher Augenzeuge wird wohl gedacht haben: "So will ich sicherlich nicht morden!" 

            Also fragen wir: "Welcher Verbrechen tat Jesus?"  Die Überschrift war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König.  Was für Übeltat beging Jesu? -- Er war der Juden König: der königliche Hirte der Juden.  Hier auf dem Kreuze schützte er sein Volk gegen ihren Feind, den Teufel-- und in dem Kampf war Jesus der Sieger.  Hier auf dem Kreuze ließ er sein Leben für seine Schafe, an ihrer Stelle, auf daß seine Schafe leben-- und ewiglich.  Dies' war seine "Übeltat"! 

            Auch lesen wir: Diese Ueberschrift lasen viele Juden; denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuziget ist.  Und es war geschrieben auf ebräische, griechische und lateinische Sprache.  Auf lateinische Sprache ist sie: Iesus Nazarenus Rex Iudicorum.  Wir sehen oft diese Buchstaben über dem Kreuze.  Diese Botschaft in drei Sprachen zeigt uns, daß Jesus Hirtenkönig ist: nicht allein für die Juden, sondern auch für alle Völker in der Welt. 

            Zwar hören wir: Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: Schreibe nicht: Der Juden König; sondern, daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König.  Aber Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben, für alle Welt zu sehen-- und zu glauben. 

            Also muß ich dir heute fragen, "Was sagt deine Überschrift?"  Bist du schuldig des Mords oder des Raubs?  Hast du in deinem Herze gehaßt oder gelüstet?  Sagt deine Überschrift, "Dieser ist ungehorsam gewesen! Dieser hat ehegebrochen! Dieser hat gelüget!"?  Zwar sagt der Urteilsspruch: "Du hast deinen Geldverlust gefürchtet, deinen Vergnügen geliebt, deinen Sinn geglaubt-- und nicht Gott über alle gefürchtet, geliebt, und vertraut.  Zwar haben wir die Kreuzigung verdient! 

            Aber wieder muß ich dir fragen, "Was sagt deine Überschrift wirklich?" -- "Jesus von Nazareth, der Juden König" ist die richtige Antwort.  Er litt an deiner Stelle.  Er setzte seine Überschrift an der Stelle deiner.  Er vergab deine Sünde.  Er gab dir seine eigene Unschuldigkeit.  Nun wirst du immer leben.  Er ist deine königlicher Hirte. 

            Also sagen wir: daß auf der Spitze des Kreuzes, Jesus seine Unschuldigkeit für uns verlor.  Wir wollen aber auch beachten: daß zum Fuße des Kreuzes, Jesus seine Ehrenstelle für uns verlor. 

            Wir lesen: Die Kriegsknechte aber, da sie Jesum gekreuziget hatten, nahmen sie seine Kleider.  Schon hatte Jesus gesagt: "Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege."  Nun verliert Jesus auch seine Kleider.  Also ist er von allen Dingen beraubt. 

            So sehen wir: die Soldaten machten vier Theile, einem jeglichen Kriegsknecht ein Theil, dazu auch den Rock-- das ist: die Unterwäsche.  Der Rock -- die Unterwäsche -- aber war ungenähet, von oben an gewirket durch und durch.

            Daher sprachen sie unter einander: Laßt uns den nicht zertheilen, sondern darum loosen, weß er sein soll.  Das ist: die Soldaten beraubten von Jesu auch seine Ehrenstelle dadurch, daß sie den Raub seiner Kleider zum Freudenspiel machten. 

            Aber es geschah auf daß erfüllet würde die Schrift -- Psalm zweiundzwanzig, Vers neunzehn -- die da sagt: Sie haben meine Kleider unter sich getheilet, und haben über meinen Rock das Loos geworfen. -- Solches thaten die Kriegsknechte.

            Also frage ich dir heute, "Warum ist Jesus beraubt?  Warum verliert er auch seine Kleider-- seine letzte irdische Besitze?  Was heißt dies' alles für dein Leben?" -- So muß ich antworten, "Er verlor alles, auf daß du alles, jeden Segen, haben mögst.”

            Er verlor seine Kleider, auf daß du den Segen Kleiders immer haben würdest-- besonders den Segen seines Gerechtigkeitskleider: wie spricht Sankt Paulus, Denn wie Viele euer getauft sind, die haben sich durch Christum bekleidet.  So singen wir: “Christi Blut und Gerechtigkeit: das ist mein Schmuck und Ehrenkleid; damit will ich vor Gott bestehn, wann ich im Himmel muß eingehn.”

            Jesus hatte keine Speise, kein Getränk, kein Dach, auf daß du den Segen des tägliches Brots haben würdest-- besonders den Segen des Lebensbrots: wie die Evangeliste sprechen, Nehmet hin und esset..., nehmet hin und trinket..., zur Vergebung aller euren Sünden. 

            Jesus gab sein Leben, auf daß du den Segen des Lebens haben würdest-- besonders den Segen des ewigen Lebens: wie Sankt Johannes spricht: Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

            Heute haben wir durch Glaubensaugen Christum auf dem Kreuze angesehen.  Auf der Spitze des Kreuzes verlor Jesus seine Unschuldigkeit für uns.  Zum Fuße des Kreuzes, verlor Jesus seine Ehrenstelle für uns.  Also hat unser lieber Retter auf dem Kreuze selbst unser Heil gewonnen. 

            Schließlich möchte ich fragen: Habt ihr schon bemerkt, daß am größten Teile die Kreuze (die wir im heutigen Tage sehen) leer sind?  Das Kreuz in meinem Hause hängt leer.  Das Kreuz auf unserem Kirchturm steht leer.  Das kleine Kreuz auf unserem Altar ist leer.  Das erinnert uns daran, daß Jesus auferstanden ist und jetzt lebt.  Also hat Gott das Opfer seines Sohnes sich gefallen lassen.  Weil unser Stellvertreter während seines ganzen Lebens seinem Vater vollkommenen Gehorsam gab, und weil er an der Schädelstätte die Strafe für unsere Sünde trug, kann Gott uns für unschuldig erklären.  Vor Gottes Gerichtstuhl sind wir nicht länger Übeltäter, Räuber, und Mörder-- sondern Heiligen, Gotteskinder, und Himmelserben. 

            Laßt uns also auch leben!  Amen.

            Wir gingen Alle in der Irre wie Schafe, ein Jeglicher sahe auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.  …Durch seine Wunden sind wir geheilet..  Amen.