Sankt Marcus Ev. Lutherische Gemeinde

Watertown, Wisconsin

Predigt: Jesaia 9:6-7

Pastor Karl Walther

24 Dezember 1998



Wie der Engel zu den Hirten sprach: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Amen.

Das Wort Gottes für diese Weihnachtspredigt steht geschrieben in dem Buch des Propheten Jesaias, Capitel neun, die Versen sechs und sieben:

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, welches Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt: Wunderbar, Rath, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf daß seine Herrschaft groß werde, und des Friedens kein Ende, auf dem Stuhl Davids, und seinem Königreich; daß er es zurichte und stärke mit Gericht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird thun der Eifer des Herrn Zebaoth.

Diese ist die gute Nachricht von der Geburt und der Arbeit unsers Herrn.

Liebe Mitchristen-- für welche der Sohn geboren ist, als König, der uns ewigen Frieden bringt:

Das Weihnachtsfest bringt immer mit sich Gefühlen von ewiger Friede. Die viele Weihnachtsleuchter, die wir Tag und Nacht sehen, verkündigen die dauernde Natur der Jahreszeit. Die viele Weihnachtslieder, die wir Tag und Nacht hören, reden von dem ewigen Frieden dieser Zeit. Sogar die Gemütlichkeit des Weihnachtsfestes und seine außergewöhnliche Speise erfüllen uns mit den Spezialgefühlen von ewigem Frieden und Freude.

Aber ist der Friede Gottes nur für diese Jahreszeit bestimmt? Kann man ihn nicht durch das ganze Jahr genießen?

Der Prophet Jesaias beantwortet diese Frage in der wohlbekannten Schriftstelle, die wir eben gehört haben. Er berichtet:: Uns ist ein Kind geboren. Uns ist ein Kind geboren, zum ersten, welches wir Sünder nötig hatten. Uns ist ein Kind geboren, zweitens, welcher ewigen und königlichen Frieden uns schenkt.

Jesaias lebte und prophezeiete sieben Jahrhunderte vor Christo. Zu jener Zeit (und für alle Zeit) mußte man sagen, daß das Volk Gottes keinen irdischen Frieden geniessen kannten.

Die Geschichte des Volks Gottes fing wirklich mit Abraham an. Von ihm sagt der Ebräerbrief: Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande, als in einem fremden, und wohnte in Hütten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Also hatten Abraham, Isaak, und Jakob keinen irdischen Frieden.

Die Geschichte des Volks Gottes führete mit Moses fort. Von ihm sagte Stephanus in der Apostelgeschichte: Der Herr sprach zu ihm: Ich habe wohl gesehen das Leiden meines Volks, das in Egypten ist, und habe ihr Seufzen gehört, und bin herab gekommen, sie zu erretten.... Diesen Mose verleugneten sie und sprachen: Wer hat dich zum Obersten oder Richter gesetzt? ...Dieser führete sie aus, und that Wunder und Zeichen in Egypten, im rothen Meer, und in der Wüste, vierzig Jahre. Also hatte Moses (trotz seiner Größe) keinen Frieden auf Erden-- noch Josua, noch die Richter, weil sie immer gegen die Feinde des Volks Gottes kämpfen mußten.

Für eine kurze Zeit kannte das Volk Israel in Frieden leben, nachdem der König David alle seine Feinde besiegt hatte. Aber in den Jahren nach dem Tode Davids und seines Sohnes Salomos hatte Israel eine ganze Reihe von bösen Königen, die das Volk in Unglauben und Ungehorsam führeten. Als Strafe dafür ließ Gott die zehn nördlichen Stamme in die assyrische Gefangenschaft gehen, von der sie nie wieder heimgekehrt sind. (Wir reden noch von den zehn verlorenen Stämmen.) In dem Süden im Reich Judas gaben es etliche guten Könige, die meisten aber böse. Und einige hundert fünfzig Jahre nach dem Tode Jesaias würde Judä auch ins Exil gehen, nach siebzig Jahren wiederzukommen.

Warum ließ Gott eine solche Strafe auf jenes Volk fallen, das er einst zu seinem besonderen Volk erwählt hatte? Das andere Buch der Chronica erklärt: Sie spotteten der Boten Gottes, und verachteten seine Worte, und äffeten seine Propheten, bis der Grimm des Herrn über sein Volk wuchs, daß kein Heilen mehr da war. Denn er führete über sie den König der Chaldäer, und ließ erwürgen ihre junge Mannschaft mit dem Schwert im Hause ihres Heiligthums, und verschonete weder der Jünglinge noch Jungfrauen, weder der Alten noch der Großväter; Alle gab er sie in seine Hand.... Und er führete weg gen Babel, wer vom Schwert übergeblieben war; und wurden seine und seiner Söhne Knechte.

Wegen ihrer Sünde konnten die Israeliter kein friedliches Leben auf Erden geniessen. Dasselbe ist wahr auch für uns.

Nachdem wir die hellen Weihnachtsleuchter und die lieben Weihnachtslieder und die Gemütlichkeit des Weihnachtsfestes und seine Spezialspeise genossen haben, müßen wir zu der Wirklichkeit dieser elenden Welt wieder kommen. Die schwere Arbeit in der Schule oder Fabrik oder Geschäftsräume kehrt wieder. Lieblosigkeit oder Streit in der Familie oder unter Bekannten kehrt wieder. Die Krankeit vom Winter oder der Tod im hohen Alter stört unseren Frieden.

Und wenn wir ehrlich mit uns selbst und mit unserem Gott sind, müßen wir alle bekennen, daß unsere Sünde die Ursache ist. Unsere Sünde ist die Ursache, warum die Arbeit so schwer ist. Gott sagte zu unserem ersten Vater: Im Schweiß deines Angesichts sollst du dein Brod essen. Es ist auch unsere Sünde, unsere Selbstliebe, unser Mangel an Gottesliebe, welche die Unliebe und Streit in der Familie verursacht.. Auf Grund unserer Sünde kommen Krankheit und Tod: weil Gott in Paradies zu unserem ersten Vater sagte: Du wirst wieder zu Erde, davon du genommen bist. Denn du bist Erde, und sollst zu Erde werden. Und was noch schlimmer ist: es ist auch unsere Sünde, die uns mit ewiger Trennung von Gott drohet. Jesaias selber schrieb: Eure Untugenden scheiden euch und euren Gott von einander; und eure Sünden verbergen das Angesicht von euch, daß ihr nicht gehöret werdet.

Maine Lieben, was für eine Weihnachtsbotschaft ist das? Gibt es keine Hoffnung für uns elende Menschen, dessen Sünde den Frieden zwischen uns und Gott gestört hat? Jawohl! Jesaias verkündigt: Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, welches Herrschaft ist auf seiner Schulter. In Bethlehem ist der allmächtiger Gott ein Kind geworden. Er ist ein Kind, tatsächlich, damit er an unsere Stelle treten konnte, um unser Stellvertreter zu sein. Er ist zwar unser Kind, unser Sohn, den der Herr zu seinem Volke von einem jüdischen Stamm sendet. So sehr liebt uns der Herr, daß er seinen eigenen Sohn für uns und zu uns und durch uns (durch christliche Maria) gebärt. Und dieses holdselige Kind ist auch ein König.

Was für ein Gottmensch und König wird dieser Kind sein? Der Prophet Jesaias beschreibt das für uns ganz genau wenn er dem Christkindlein die folgenden Namen zuschreibt: Er heißt: Wunderbar, Rath, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.

Er heißt Wunderbar. Er ist ein Wunder, wie Jesaias gesagt hat: Siehe, eine Jungfrau -- eine reine Jungfrau! -- ist schwanger, und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel (das ist: Gott mit uns). O meine Mitchristen, schauet die beiden Wunder der Weihnachts botschaft an! Zum ersten: eine reine Jungfrau, welche kein Mann erkannte, gebärt ein Kind! Und zum zweiten: der ewige Gott nimmt menschliches Fleisch und Blut an, um unser Stellvertreter zu sein! Was ist mehr ungewöhnlich als eine jungfraulich Mutter? Was ist mehr wunderbar als Gott selbst mit uns, sein Volk zu hilfen?

Er heißt Rath-- das ist: der Ratgeber. Und was für Rat gibt er uns? Der Apostel Johannes erklärt: So wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu end gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reiniget uns von aller untugend. Zwar aus diesem Grunde kam er, alle Sünden zu vergeben.

Er heißt Kraft-- in der ursprünglichen Sprache: Gott selbst. Der Engel Gabriel sprach zu Maria: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden.... Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.

Er heißt Held. Held ist er, weil er den Teufel und den Tod und die Übertretung für uns überwindet hat. Denn die Schrift sagt: Es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel, und Satanas, der die ganze Welt verführet.... Nun ist das Heil, und die Kraft, und das Reich, und die Macht unsers Gottes seines Christus geworden; weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist-- durch Jesum Christum.

Er heißt Ewig-Vater-- oder besser: die Quelle für Ewigkeit. Wenn du das ewige Leben und nicht die ewige Hölle suchest, ist dies' Kind die Quelle dafür. Denn Christus selbst sagte zu seinen Aposteln: Ich bin der Weg und die Wahrheit, und das Leben; Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.

Und er heißt: Friede-Fürst-- das ist: friedliche Majestät. Und diesen Friede ist keine einfache Abwesenheit von dem Kriege. Der Friede den Christus bringt ist Versöhnung-- die Wiederherstellung von unserer Verwandschaft mit dem himmlischen Vater. Die Schrift macht das ganz klar: Gott hat uns mit ihm selber versöhnet durch Jesum Christum.... Gott war in Christo, und versöhnte die Welt mit ihm selber, und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.

Von diesem Friede-Fürst sagt Jesaias. Er heißt ... Friede-Fürst, auf daß seine Herrschaft groß werde, und des Friedens kein Ende, auf dem Stuhl Davids, und seinem Königreich; daß er es zurichte und stärke mit Gericht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Also ist Jesus der gute König, der uns (dem Volke Gottes) so lang gefehlt ist. Also ist Jesus unsere Friede; er ist der Sohn, welcher an unser Statt Frieden mit dem Vater gestiftet hat.. Und also ist Jesus unsere Quelle der Ewigkeit, weil er uns vergeben hat, und uns für heilig erklärt hat, und mit uns sein ewiges Leben geteilt hat.

Zum Schluß gibt Jesaias die köstliche Verheißung: Solches wird thun der Eifer des Herrn Zebaoth. Seine Eifer, oder besser: die Eifersucht des Herrn (durch welche wir ihm gehören und er uns gehört, wie Mann und Frau)-- die Eifersucht des Herrn, der das Heer der Engel führet: sie hat uns gesucht und gefunden.

Also: obwohl die viele Weihnachtsleuchter verdunkelt und die schönen Weihnachtslieder nach Weihnachten nicht mehr gesungen werden, obwohl die Gemütlichkeit und außergewöhnliche Speise nach den Weihnachten verschwinden werden, wird Gottes Weihnachtsnachricht an uns nimmer vergehen oder verschwinden. Christus ist König über Alles! Er hat für uns Frieden mit Gott gewonnen! Er hat sich die Quelle des ewiges Lebens für uns gemacht! Zwar und wunderbar ist uns ein Kind -- der Retter -- geboren! Amen.

Wie die himmlische Heerschaaren zu den Hirten sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. Amen.