Sankt Marcus Ev. Lutherische Gemeinde
Watertown, Wisconsin
Predigt: 1 Johannis 1:1-4
Pastor Karl Walther
24 Dezember 1997
Gnade sei mit euch, und Friede von dem, der da ist, und der da war, und der da kommt; und von den sieben Geistern, die da sind vor seinem Stuhl; und von Jesu Christo welcher ist der treue Zeuge, und Erstgeborne von den Todten, und ein Fürst der Könige auf Erden. Amen.
Das Wort Gottes für diese Weihnachtspredigt steht geschrieben in der ersten Epistel Sankt Johannis, Capitel eins, die Versen eins bis vier:
Das da vom Anfang war, das wir gehöret haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir beschauet haben, und unsere Hände betastet haben, vom Worte des Lebens; (Und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und zeugen, und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater, und ist uns erschienen;) Was wir gesehen und gehöret haben, das verkündigen wir euch, auf daß auch ihr mit uns Gemeinschaft habet, und unsere Gemeinschaft sei mit dem Vater, und mit seinem Sohne Jesu Christo. Und solches schreiben wir euch, auf daß eure Freude völlig sei.
Diese ist die gute Nachricht von der Geburt und dem Leben unsers Herrn.
Liebe Mitchristen, die das Weihnachtsfest feiern:
Das Weihnachtsfest bringt mit sich Gedanken von vorigen Weihnachtsfesten. Wir alle erinnern uns an den Weihnachten und an Weihnachtsgeschenke von unserer Kindheit. Wir erinnern uns an den Weihnachten, in welchen wir mit unseren Familien, unseren Eltern, unseren Kindern feierten. Vielleicht erinnern wir uns an letzten Weihnachten, da wir vielleicht das Fest mit unseren Enkelkindern feierten.
Das Weihnachtsfest bringt immer Gedanken von vorigen Weihnachtsfesten mit sich. Auch soll es Gedanken von dem ersten Weihnachtsfeste immer bringen. Zum Beispiel: in dem Worte Gottes das heute vor uns liegt, nimmt der alte Apostel Johannes Rücksicht auf das Leben Jesu Christi -- auch auf seine Erscheinung in seiner Geburt.
Als Johannes unter Erleuchtung des Heiligen Geistes so tut, ermahnt er uns: Gedenke an dem ersten Weihnachtsfeste. Gedenke, zum ersten, daß Gott für uns menschlicher Fleisch geworden ist, und zweitens, daß also Gott unsere Gemeinschaft mit ihm geschaffen hat.
Johannes schreibt seine erste Epistel: vielleicht von Epheso, vielleicht zu den Christen von Kleinasien, und wohl etwa sechzig Jahre nach dem Tode und der Auferstehung unsers Heilands. Er denkt auf das Leben Jesu Christi zurück, und sagt: Das da vom Anfang war, das wir gehöret haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir beschauet haben, und unsere Hände betastet haben, vom Worte des Lebens; (Und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und zeugen, und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater, und ist uns erschienen;) Was wir gesehen und gehöret haben, das verkündigen wir euch.
Das da vom Anfang war.... Von wem redet er? Johannes selber antwortet in den ersten Versen seines Evangeliums: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.... Und das Wort ward Fleisch, und wohnete unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. "Was da vom Anfang war", das war Gott selbst: Jesus Christus!
Er sagt weiter: Das wir gehöret haben.... Und was ist das, was die Apostel gehöret hatten? Johannes antwortet: daß Jesus das Lamm Gottes ist, das da trägt die Sünde der Welt; daß Gott die Welt so geliebt hat, daß er seinen eingebornen Sohn gab; daß Jesus der Messias ist, der da in die Welt gekommen ist. "Was wir gehöret haben", das ist die göttliche Wahrheit von Jesu!
Wir verkündigen euch das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir beschauet haben.... Was ist das, was die Apostel gesehen und beschauet hatten? Wieder antwortet Johannes in seinem Evangelio: Wasser ... in Wein geworden, einen lahmen Mann ... der durch die Macht Jesu wieder laufen konnte, einen blinden Mann ... der durch Jesum wieder sehen konnte, einen toten Mann ... der durch Jesum wieder ins Leben gerufen worden ist. "Was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir beschauet haben, das war die Liebe Gottes in Jesu-- das verkündigen wir euch!"
Wir verkündigen euch was unsere Hände betastet haben vom Worte des Lebens.... Was ist das, was die Apostel vom Worte des Lebens betastet hatten? Johannes erklärt: Nach seiner Auferstehung sagte Jesus, "Reiche deinen Finger her, und siehe meine Hände; und reiche deine Hand her, und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig." "Wir verkündigen euch was unsere Hände betastet haben vom Worte des Lebens", das war der menschliche, lebende, auferstandene Gott: Jesus Christus!
Johannes behauptet: Und das Leben -- Jesus Christus -- ist erschienen (erstlich in der Krippe zu Bethlehem), und wir haben gesehen und zeugen, und verkündigen euch das Leben -- Jesum Christum -- das ewig ist, welches war bei dem Vater, und ist uns erschienen.
Und Johannes schließt: Was wir gesehen und gehöret haben, das verkündigen wir euch.
Meine freunde, was Johannes und die anderen Apostel mit ihren Augen wirklich gesehen hatten, was Johannes und die anderen Apostel mit ihren Ohren wirklich gehöret hatten-- das verkündigen sie auch uns heute.
Der Kern und Stern ihrer Botschaft ist: daß in Jesu Christo Gott selbst ist Mensch geworden! In Jesu Christo ist Gott selbst Fleisch und Blut geworden, er ist wirklich unser Gottmensch und Heiland geboren! Er wandelte wirklich als unser Gottmensch und Heiland! Wirklich sprach unser Gottmensch und Heiland! Wirklich existierte -- und existiert -- Jesus Christus!
Unsere Gedanken vom ersten Weihnachtsfeste schließen ein, erstens: daß Gott für uns menschlicher Fleisch geworden ist. Zweitens bedeutet das Weihnachtsfest, daß die Verheißungen Jesu keine Schwindel sind. Und was hat Jesus uns verheißen? Sankt Johannes versichert uns, daß durch Jesum Gott unsere Gemeinschaft mit ihm geschaffen hat.
Höret dem Apostel zu: Was wir gesehen und gehöret haben, das verkündigen wir euch, auf daß auch ihr mit uns Gemeinschaft habet, und unsere Gemeinschaft sei mit dem Vater, und mit seinem Sohne Jesu Christo. Die Fleischwerdung Jesu Christi bedeutet also, daß wir Christen mit Gott Gemeinschaft haben, und daß wir Christen mit einander Gemeinschaft haben.
Und wie kommt das?
Die Schrift berichtet: Da Gott den Menschen schuf, machte er ihn nach dem Gleichniß Gottes. Im Paradies hatten Adam und Eva Gemeinschaft mit Gott. Er war ihr lieber Vater; sie freuten sich, seine Kinder zu sein.
Aber Adam und Eva verloren ihre Gemeinschaft mit Gott, als: sie von der Frucht nahmen und aßen-- und sündigten. Mit ihrem Ungehorsam machten sie es ganz klar, daß sie nicht zufrieden waren, unter Gott als seine Kreaturen zu leben. Sie wollten, was der Teufel ihnen anbot, Gott gleich zu sein. "Wenn du mir gehorchest," flüsterte der Teufel ihnen ins Ohr, "Ihr werdet sein wie Gott." Und sie glaubten ihm. Von der Zeit an war die Gemeinschaft mit Gott abgebrochen. Wenn diese Gemeinschaft mit Gott wieder hergestellt werden sollte, mußte Gott selber das herbeibringen.
Als unser Stellvertreter führte Jesus ein heiliges Leben welcher Gottes für Gemeinschaft mit ihm befehlt. Um Christi willen kann Gott uns als heilige rechnen. Und als unser Stellvertreter nahm Jesus auf sich Gottes Fluch auf unsere Sünde. Kraft Christi vollkommenen Gehorsams und seines blutigen Sühnetodes, kann ein gerechter und barmherziger Gott uns für sündlos erklaren. Und die selige Gemeinschaft mit ihm ist wiederhergestellt.
Als steht es gescrieben: Er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Daß dies wahr ist, behauptet die Schrift, als sie berichtet: Jesus ist um unserer Sünde willen dahin gegeben, und um unserer Gerechtigkeit willen auferwecket.
Johannes behauptet hier: Du hast Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohne Jesu Christo. Anderswo in dieser Epistel stellt es Johannes dar: Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß wir Gottes Kinder sollen heißen!
Auch sagt Johannes hier: Du hast Gemeinschaft mit anderen Christen. Jesus sieht uns als Brüder und Schwestern in seiner Familie an, als er nach seiner Auferstehung sagt: Gehe aber hin zu meinen Brüdern, und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater, und zu eurem Vater, zu meinem Gott, und zu eurem Gott.
Also schließen Gedanken vom ersten Weihnachtsfeste ein, erstens: daß Gott für uns menschlicher Fleisch geworden ist; zweitens: daß also Gott unsere Gemeinschaft mit ihn geschaffen hat.
Der Apostel Johannes schließt mit den Worten:: Solches schreiben wir euch, auf daß eure Freude (in der Ursprache: unsere Freude) völlig sei.
Diese Worte erinnern uns daran, daß unsere Weihnachtsfreude schließlich nicht in Gaben liegt, noch in Familie, oder in Gedanken von vorigen Weihnachten. Unsere Freude zur Weihnachtzeit und aller Zeit -- ewiger Zeit! -- liegt in dem Christkindlein. Wir haben alle gesungen: "Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier.... Duld ich schon hier Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude."
Das ist die Weihnachtsfreude, die ich für euch alle wünsche. Amen!
Der uns geliebet hat, und gewaschen von den Sünden mit seinem Blut, und hat uns zu Königen und Priestern gemacht vor Gott und seinem Vater; demselben sei Ehre und Gewalt, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.