Sankt Marcus Ev. Lutherische Gemeinde

Watertown, Wisconsin

Predigt: Matthäus 27:45-46

Pastor Karl Walther

2 April 1999



Er ist um unserer Missethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet. Amen.

Unseren Text finden wir aufgezeichnet in dem Evangelio Sankt Matthäi, Capitel siebundzwanzig, die Versen fünfundvierzig und sechsundvierzig:

Von der sechsten Stunde an ward eine Finsterniß über das ganze Land, bis zu der neunten Stunde. Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut, und sprach: Eli, Eli, lama asabthani? Das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Dies' ist die gute Nachricht von Gottes Wort.

Liebe Mitgläubiger an unserem gekreuzigten Heilande, Jesu Christo:

Habt ihr schon gemerkt, wie gute Lehrer guten Fragen benützen, ihre Studenten zu lehren? Anstatt ihren Zuhörern immer mehr zu erzählen, gewinnen gute Lehrer ihre Aufmerksamkeit und Interesse durch gute Fragen. Also kommen die Zuhörer zu dem eigenen rechten Schluß von dem, was sie studieren.

Heute hören wir unserem himmlischen Lehrer zu, als Jesus am Kreuze eine Frage stellt. Jesus schrie laut und sprach: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Als wir diese Frage betrachten, möge Gott der Heilige Geist unsere Andacht segnen.

Wir wollen zum ersten die Zeit und den Platz bemerken. Es begab sich vor zwei tausend Jahre. Geschah es am Freitage in Frühling mitten unter die vielen tausende, die in Jerusalem das große Passah Fest feierten. Am kleinen Hügel westlich von der Stadtpforte Jerusalems (kaum eine Meile von dem Tempel) standen drei Kreuze, an welchen hingen drei Männer, zum Tode verurteilt.

Der in der Mitte war der berühmteste Prophet unter den Juden in Jahrhunderten-- auch Gottes Sohn und unser Heiland. Größenteils liebte ihn das Volk, besonders das Volk vom Galiläa. Aber die religiösen Führer der Juden, besonders die Priester zu Jerusalem, sahen die Wahrheit, die Jesus predigte, als gefährlich an. Also hassten sie ihn. Sie selbst überführten ihn unter ihnen für Blasphemie. Und sie gewonnen seine Überführung unter die römische Regierung, als sie ihn die Anklage erhoben, der Juden König zu sein.

So war Jesus am Kreuze von der dritten Stunde an (um neun Uhr Morgens). Etliche Freunde standen unter dem Kreuze. Viele Feinde gingen vorüber und lästerten ihn. Nun lesen wir: Von der sechsten Stunde (Mittag) an ward eine Finsterniß über das ganze Land, bis zu der neunten Stunde (um drei Uhr Nachmittags). Tatsächlich berichtet Lukas in seinem Evangelio: Die Sonne verlor ihren Schein Weder früher noch später ist so etwas geschehen. Es war als ob Gottes Sonne an diese Schade nicht ansehen konnte. Ohne Sonne und ohne Mond mußte die Finsterniß am Golgotha tiefer als Nacht selbst gewesen sein.

Und warum gab es diese Finsterniß? Um die neunte Stunde schrie Jesus laut, und sprach: Eli, Eli, lama asabthani? (in der urspringliche aramäische Sprache: die Worte zu behaupten und zu vergleichen genau an den Worten des Messias in den zweiundzwanzigten Psalm). Und die Übersetzung? Das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Mit dieser Frage will Jesus, unser Lehrer und Retter, uns von unserer Rettung informieren. Laßt mich drei Wortverbindungen von diesem Schriftstück mit euch bemerken, welche zu drei Schlüßen von der Geschichte Jesu am Kreuze uns führen werden.

• Zum ersten: Jesus schrie laut: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Die Worten du hast mich verlassen interessieren uns. Tatsächlich in der urspringlichen griechischen Sprache hat das Wort verlassen zwei Präfixe. Also sagt Jesus: Nicht allein hat Gott mich gelassen, noch hat er mich einfach verlassen, sondern er hat mich ganz-verlassen. Drei Stunden lang am Kreuze hatte Jesus nicht eine einzige von Gottes Gaben-- weder Sonne, noch Kleider, noch Getränk, weder Tröstung, noch Vergebung, noch ewige Hoffnung. Gott hatte seinen Sohn ganz und gar verlassen. Am Kreuze hatte Gott seinen Sohn zwar verdammt.

Warum? -- Die Schrift antwortet: meinetwillen und deinetwillen. Denket an dem Römerbrief, Capitel acht: Gott sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches, und verdammte die Sünde im Fleisch durch Sünde, auf daß die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllet werde. Auf Golgotha verdammte Gott seinen Sohn, weil Jesus unser Stellvertreter war. Also lesen wir in demselbigen Capitel: So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind. Als er seinen Sohn verließ und verdammte, so verließ er ewiglich unsere wohlverdiente Verdamnis. Darum kann uns Gott in dem Ebräerbriefe versichern: Ich will dich nicht verlassen noch versäumen.

Wir kommen also zu diesem Schluß: am Kreuze hat Jesus für uns ganz und gar die Pein der ewigen Hölle gelitten.

• Kehren wir wieder zum Texte: Jesus schrie laut: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Es interessieren uns besonders hier die Worte mein Gott, mein Gott. Zweimal schrie Jesus mein Gott. Dieser Name drückt sein großes Leiden aus. Er spricht nicht: Mein Vater, mein Vater, sondern: Mein Gott, mein Gott. Erinnert euch daran, daß Gott der Vater Gott den Sohn am Kreuze verlassen hatte, also daß die Vater-Sohn-Verwandschaft nicht länger existierte. Gott war nicht sein Vater, sondern sein Richter. Ja, wer kann das verstehen? Dennoch bekennte Jesus seinen Gott zweimal. Ganz selbstständig blieb Jesus im Glauben und hörte seinem Gotte zu.

Was bedeutet das für uns? -- Die Schrift antwortet: Jesus erfüllte den Willen seines Vaters in vollkommener Weise, meinetwillen und deinetwillen. Denket an dem Befehle Gottes zu jedem Menschen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott. Nicht eine Minute in unserem ganzen Leben ist unser Leben heilig. Aber als unser Stellvertreter zeigte Jesus seinen heilgen Glauben unseretwillen am Kreuze! Denket auch an den Worten Jesu in der Bergpredigt: Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Unsere jegliche Sünde beraubt uns der Vollkommenheit. Aber an unserer Statt gab Jesus am Kreuze seinem Vater vollkommene Heiligkeit. Also gehört uns die Verheißung, die Jesus verdiente, in der Galaterbrief, Capitel drei: Der Mensch, der das Gesetz thut, wird dadurch (ewiglich) leben.

Also kommen wir zu diesem Schluß: am Kreuze glaubte Jesus an seinem Vater in vollkommener Weise für uns.

• Zum dritten achten wir auf die Worte: Jesus schrie laut: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Nun interessieren uns die Worte Jesus schrie laut und die Frage warum? Die Wortverbindung Jesus schrie laut betont, daß Jesus diese Worte nicht seinetwillen sprach, sondern unseretwillen. Auch heißt die Frage warum? daß Jesus will, daß wir die Botschaft dieser Worten studieren.

Aus diesen Worten wird klar, daß Jesus diese Botschaft von seiner Vergebung und seiner Vollkommenheit an die ganze Welt will verkündigt haben werden, von mir und von dir. Denket an dem Befehle Jesu an der Ende dieses Buchs Matthäi: Gehet hin und machet Jünger von allen Völkern, und taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes; und lehret sie halten Alles, was ich euch befohlen habe. Denket auch an dem Befehle Jesu an der Ende des Buchs Marci: Gehet hin in alle Welt, und prediget das Evangelium aller Creatur. Und denket an den Worten Jesu an der Ende des Buchs Lucä: Also ist es geschrieben, und also mußte Christus leiden, und auferstehen von den Todten am dritten Tage, und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern, und anheben zu Jerusalem. Ihr aber seid deß alles Zeugen. Weil wir die Vergebung und die Vollkommenheit wissen, welche wir in Christo haben, so müßen wir diese wunderbare Botschaft andern auch verkündigen.

Also kommen wir zu diesem Schluß: am Kreuze verkündigte Jesus in großer Weise unsere Rettung.

Herzlichgeliebte, wir haben heute die Stimme unsers Heilands gehört: Jesus schrie laut: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Was ist die Antwort auf Christi Frage warum? Gott der Vater hat Gott den Sohn verlassen, um an ihm unsere höllische Strafe zu stellen, um an uns seine vollkommene Heiligkeit zu stellen, und um diese gute Botschaft durch ihn und uns zu verkündigen.

Nun: wie könnet ihr das kräftiger glauben? Wie können wir das besser proklamieren? Wie könnte Gott möglich uns irgend mehr lieben? Amen.

Wir gingen Alle in der Irre wie Schafe, ein Jeglicher sahe auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Amen.