Sankt
Marcus Ev. Lutherische Gemeinde
Watertown,
Wisconsin
Predigt:
Lucas 23:39-43
Pastor
Karl Walther
21
April 2000
Er
ist um unserer Missethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen
zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf
daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet. Amen.
Unseren Text finden wir aufgezeichnet in dem
Evangelio Sankt Lukas, Capitel dreiundzwanzig, die Versen neununddreißig bis
dreiundvierzig:
Aber der Uebelthäter einer, die da gehenkt
waren, lästerte ihn, und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns.
Da antwortete der Andere, strafte
ihn, und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in
gleicher Verdammniß bist? Und zwar wir
sind billig darinnen, denn wir empfangen, was unsere Thaten werth sind; dieser
aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt.
Und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich
kommst.
Und Jesus sprach zu ihm:
Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein.
Dies' ist die gute Nachricht von
Gottes Wort.
Liebe Mitgläubiger an unserem
gekreuzigten Heilande, Jesu Christo:
Habt ihr schon bemerkt, wieviele
Sünder wie wir die Passionsgeschichte unsers Heilandes beschreibt?
Begieriger Judas verriet unseren
Herrn. Stolzer Petrus verleugnete ihn
dreimal. Schuldiger Barabbas wurde an
der Stelle unschuldigen Jesu los gegeben.
Schwacher Pilatus überantwortete unseren Heiland zum Kreuze.
Und wie ihr verstehen könnet, sind
diese Beispiele zum größtem Teil schlechte Beispiele für uns. Aber in der heutigen Geschichte sehen wir
einen Sünder, der wirklich unser gutes Beispiel ist.
Denn das Bekenntnis des gläubigen
Diebs ist auch unser Bekenntis. Was war
sein Bekenntnis? Er hatte zweierlei zu
sagen. "Ich bin ein sündhaftiger,
verdammter Mensch," und, "Jesus ist der sündlose, selige
Gott."
Es begab sich spät an einem
Freitagsmorgen, vor fast zwei tausend Jahre.
Begab sich es auch an einem kleinen Hügel, kaum außerhalb
Jerusalems. Dann und da wurde Jesus
gekreuzigt.
Die viele Leute, die vorüber gingen,
lästerten ihn, und schüttelten ihre Köpfe.
Besonders spotteten seiner die Führere der Juden. Und Matthäus berichtet: Deßgleichen schmäheten ihn auch die zwei Mörder, die mit ihm
gekreuziget waren. So geschah
während der sechs Stunden da Jesus am Kreuze war.
Gleichfalls berichtet unser Text: Aber
der Uebelthäter einer, die da gehenkt waren, lästerte ihn, und sprach: Bist du
Christus, so hilf dir selbst und uns.
Er ist für uns ein Beispiel von der Selbstsucht. Er dachte nur an sich selbst. Er wollte seines Peins los werden.
Im starken Gegensatz sprach nun der
andere Übeltäter: Und zwar wir sind billig darinnen, denn wir empfangen, was unsere
Thaten werth sind. Wir haben die
Kreuzigung verdient-- sagte er. Wir
haben den Tod verdient-- sagte er auch.
Tatsächlich haben wir die ewige Verdamniß wohl verdient. Das sind die Worte eines bußfertigen Sünders.
Ist unser Bekenntnis nicht
dasselbe?
Früher in diesem
Karfreitagsgottesdienste bekennten wir: "Ich armer sündiger Mensch bekenne
dir, allmächtigen Gott, meinem Schöpfer und Erlöser, daß ich nicht allein
gesündigt habe mit Gedanken, Worten, und Werken, sondern auch in Sünden
empfangen und geboren bin, also daß alle meine Natur und Wesen vor deiner
Gerechtigkeit sträflich und verdammlich ist."
Wir wissen wohl, daß dies' das
Zeugnis der Schrift auch ist. David
bekennte im einundfünfzigten Psalm: Siehe,
ich bin aus sündlichem Samen gezeuget, und meine Mutter hat mich in Sünden
empfangen.
Diese Erbsünde, die wir von unseren
Eltern ererbt haben, ist auch die Ursache unserer allen anderen Sünden. Jesus selbst sagte von uns: Aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord,
Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerung; Das sind die Stücke,
die den Menschen verunreinigen.
Und von der Sünde kommt der
Tod. Sankt Paulus schreibt in seinem
Römerbrief: Derhalben, wie durch einen
Menschen die Sünde ist gekommen in die Welt, und der Tod durch die Sünde, und
ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie Alle gesündiget
haben.
Also: wenn die ganze Welt sagen
würde, daß die Abortioniste und die Homosexuelle seien ganz gut, daß der
Götzendienst und das Verbrechen und die Trunkenheit und der Ehebruch und der
Diebstahl und die Verleumdung nicht länger Sünden sind-- werden wir dem
bußfertigen Übeltäter am Golgotha zuhören.
Mit ihm wollen wir bekennen, daß unsere Gehorsamsverweigerung und
sinnliche Begierde und unsere Habsucht vor Gott sündlich und verdammlich
sind.
Nun aber: wo finden wir
Hoffnung? Die Schrift erklärt uns alle
für sündhaftige, verdammungswürdigen Menschen.
Können wir geretten werden? Die
Antwort finden wir in den übrigen Worten des gläubigen Diebs und in den Worten
unsers Herrn.
Der ungläubige Übeltäter hatte
gesagt: Bist du Christus, so hilf dir
selbst und uns. Darauf antwortete
der andere: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher
Verdammniß bist?-- in gleicher
Verdammniß bist: als Gott! Hier
weist der Mann Jesum an, als Gott selbst.
Ist das nicht auch unser
Bekenntnis? Im Katechismus, im zweiten
Artikel, lernten wir mit Luther zu bekennen: "Ich glaube, daß Jesus
Christus, wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger
Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr." Am Weihnachtsfest hörten wir nicht, glaubten
wir nicht, daß uns war heute der Heiland
geboren, welcher ist Christus der Herr?
Und wenn dieser der Herr ist, kann er uns nicht retten?
Der gläubige Dieb hatte noch mehr zu
sagen: Und zwar wir sind billig darinnen,
denn wir empfangen, was unsere Thaten werth sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt-- buchstäblich
von der griechische Sprache: nichts am
unrechten Ort. Hier betont der Mann
nicht allein daß Jesus keine Sünde getan hat, sondern auch hat er nichts am
unrechten Ort getan. Er bekennt die
vollkommene Gerechtigkeit Christi.
Ist dasselbe nicht unser
Bekenntnis? Wir halten mit der Schrift: Gott hat ihn, der von keiner Sünde wußte,
für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor
Gott gilt. Auf Grund dieses
Schriftstücks bekennen wir mit Luther: "Gott machte Jesum was er nicht
war" -- sündhaftig am Kreuze -- "auf daß ich wurde was ich nicht
war" -- von Gott für gerecht erklärt durch den Kreuz Christi. Allein in Christo ist zwar unsere
Hoffnung!
Der gläubige Dieb hatte noch eins zu
sagen: Und sprach der Mann zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein
Reich kommst. Der Mann identifiziert Jesum als sein Retter. Und Jesus gab ihm diese Verheißung. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir,
heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Im
Paradiese, ursprünglich das griechische Wort für den Edensgarten: da wurde
der Mann nächstensmal seinen Jesum in der Seele sehen-- nach der Auferstehung
Christi und der zweiten Auferstehung (von allen): auch im Fleisch.
Ist das auch nicht unser
Bekenntnis? Im Katechismus, im zweiten
Artikel, lernten wir daß: "Jesus Christus hat mich verlornen und verdammten
Menschen erlöst, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tod und von der
Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen
teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben." Darum können wir im dritten Artikel bekennen:
"Am Jüngsten Tage wird er mich und alle Toten auferwecken und mir samt
allen Gläubigen in Christo ein ewiges Leben geben wird."
Sagt die Schrift nicht
dasselbe? Hiob sagte, und wir glauben: Ich weiß, daß mein Erlöser lebet, und er
wird mich hernach aus der Erde auferwecken.
Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in
meinem Fleisch Gott sehen. Denselben
werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Und wir setzen immer unsere Hoffnung an
ihm.
Also nehmen wir den gläubigen Dieb
als unser gutes Beispiel. Mit ihm sagen
wir: "Ich bin ein sündhaftiger, verdammter Mensch," aber "Jesus
ist der sündlose, selige Gott." Und
an ihn vertrauen wir.
Der gläubige Dieb auf Golgotha hatte
nur ein Paar Stunden in dieser Welt.
Aber im Gegensatz zu ihm streckt unser Leben vor uns aus. Wir sind von Christo teuer erkauft, auf daß
wir "sein eigen sei und in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene in
ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom
Tode, lebt und regiert in Ewigkeit."
Das ist gewißlich wahr! Dank' sei Gotte! Amen!
Wir
gingen Alle in der Irre wie Schafe, ein Jeglicher sahe auf seinen Weg; aber der
Herr warf unser aller Sünde auf ihn.
Amen.